1. Zeitraum und Ort
Mein Erasmus-Semester verbrachte ich von Mitte August bis Mitte Januar – also rund fünf Monate – in Karlstad, Schweden.
2. Vorbereitung und Unterkunft
Schon vor meiner Abreise habe ich Kontakt zu Studierenden aus unserer Hochschule aufgenommen, die ebenfalls in Karlstad waren. Das war im Nachhinein extrem hilfreich: Ich habe praktische Tipps bekommen, was man wirklich mitnehmen sollte, worauf man bei der Ankunft achten muss und wie der Start am besten gelingt.

Ich habe mich für ein Wohnheimzimmer für internationale Studierende entschieden – komplett möbliert und inklusive Küchenausstattung. Diese Option kann ich absolut empfehlen. Man erspart sich die stressige Wohnungssuche und kann sich von Anfang an auf das Ankommen konzentrieren. Dadurch musste ich nur gut überlegen, was ich aus Deutschland mitbringe und was ich entspannt vor Ort kaufen kann.
3. Kurse und Studium
Belegt habe ich Kurse in Sozialpolitik, Vergleichender Politikwissenschaft sowie Aspects of Sweden, einem Kurs über Geschichte, Politik und Kultur Schwedens. Alle Leistungen wurden mir an der HTW anerkannt. Besonders gefallen hat mir der Schweden-Kurs. Es war spannend, das Land, in dem ich gerade lebe, nicht nur im Alltag zu erleben, sondern auch akademisch besser zu verstehen – von historischen Entwicklungen bis hin zu aktuellen politischen Strukturen.
4. Sprache und Kommunikation
Die Kommunikation lief fast ausschließlich auf Englisch. Mit einem sicheren B2- oder C1-Niveau kann man sich sowohl im Studium als auch im Alltag problemlos bewegen. Die meisten Schweden sprechen auch sehr gutes Englisch auch. Zusätzlich habe ich einen Anfängerkurs in Schwedisch besucht. Es war schön, zumindest ein paar grundlegende Wörter und Alltagsphrasen zu lernen.
5. Kulturelle Eindrücke
Natürlich gibt es Unterschiede in Mentalität und Lebensstil. Gleichzeitig blieb ich im europäischen Kontext, sodass es keinen echten Kulturschock gab. Was mir besonders aufgefallen ist: die ausgeprägte Fika-Kultur (mehrmals täglich Kaffee mit Zimtschnecke), eine sehr bewusste Work-Life-Balance und die Selbstverständlichkeit, Zeit in der Natur zu verbringen – Pilze sammeln oder Beeren pflücken gehört dort einfach dazu. Es war auf jeden Fall eine sehr bereichernde Perspektive auf Alltag und Prioritäten.

6. Freizeit und Aktivitäten
Ich kann nur empfehlen, der Sportvereinigung der Universität beizutreten. Gegen einen einmaligen Beitrag erhält man Zugang zu über 20 Sportarten – von Eishockey bis Bachata – inklusive Ausrüstung. Zusätzlich werden regelmäßig Turniere, Wettkämpfe oder Laufevents organisiert, oft mit anschließendem gemeinsamen Brunch. Das war eine großartige Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen. In Karlstad gibt es außerdem kostenlose Eishallen. Über die Organisation „Fritidsbanken“ kann man sich Sportequipment – von Schlittschuhen bis Curling-Ausrüstung – für mehrere Wochen ausleihen.Und ein Besuch bei einem Eishockeyspiel gehört definitiv dazu, selbst wenn man die Regeln nicht komplett versteht.
Auch die Studierendenvereinigung organisierte viele Aktivitäten: internationale Brunches, Spieleabende, Lebkuchenhaus-Wettbewerbe oder gemeinsame Reisen. Mit Freundinnen habe ich eine Kreuzfahrt von Stockholm nach Tallinn gemacht und eine Reise nach Lappland – beides unvergessliche Erfahrungen.
7. Kontaktfamilien-Programm
Ein ganz besonderes Erlebnis war das Contact Family Programm. Dabei wird man mit einer schwedischen Familie zusammengebracht, die einem das lokale Leben näherbringt. Meine Kontaktfamilie hat mir nicht nur Einblicke in den schwedischen Alltag gegeben, sondern war auch eine wichtige emotionale Stütze. Wir waren zusammen wandern, haben Hotdogs am Feuer gegrillt, sind Boot gefahren, haben Weihnachtsmärkte besucht, das Lucia-Fest gefeiert, Weihnachtskränze gebunden und uns regelmäßig zum Friday Taco getroffen. Sie waren meine erste Anlaufstelle bei Fragen oder Unsicherheiten und wir stehen bis heute in Kontakt. Diese Erfahrung hat mein Erasmus-Semester besonders geprägt.
8. Herausforderungen
Eine Umstellung war das schwedische Studiensystem. Statt einer klassischen Prüfungsphase am Semesterende gibt es viele schriftliche Arbeiten und Gruppenprojekte, die über das gesamte Semester verteilt sind. Man muss sich gut organisieren, um neben Reisen und Aktivitäten keine Deadlines zu verpassen.
Auch das Klima war eine Herausforderung. Im Herbst und Winter wird es schnell dunkel und deutlich kälter. Wenig Tageslicht kann sich auf Stimmung und Energie auswirken, darauf sollte man sich mental einstellen.

9. Würdest du dein Erasmus Semester so nochmal machen?
Mein Erasmus-Semester in Karlstad war eine sehr bereichernde Erfahrung. Spannende Lehrveranstaltungen, neue Perspektiven, viele Reisen und wertvolle Begegnungen werden mir noch lange in Erinnerung bleiben. Daher würde ich mich jederzeit wieder genauso für ein Erasmus-Semester entscheiden und auch wieder für Karlstad.
Besonders positiv hervorheben möchte ich die Kommunikation mit dem International Office – sowohl an der HTW als auch in Karlstad. Ich habe mich organisatorisch gut begleitet gefühlt und konnte mich dadurch voll auf das Erlebnis konzentrieren.




